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Hintergründe
Katharer
Geschichte1
Die Religion der Katharer hat ihre Wurzeln sowohl im Manichäismus des persischen Religionsstifters Mani (215-276) als auch in der Gnosis, die vor allem vom 1. bis 3. Jahrhundert verbreitet war und die dem Menschen durch ein geheimes Wissen die Erlösung vermitteln wollte. Diese Glaubensrichtungen teilten die Idee, dass Gott und der Teufel zwei gleich mächtige und ständig im Widerstreit stehende Kräfte seien (Dualismus).
Vorläufer der Katharer waren die Messalianer (Euchiten), eine im 4. Jahrhundert in Kleinasien entstandene Sekte und die Paulikianer, eine gnostische Sekte, die im 4. Jahrhundert im kleinasiatischen Teil des byzanthinischen Reichs entstand.
In der Mitte des 10. Jahrhunderts verschmolzen die Lehren und Gebräuche der Paulikianer und der Messalianer zu einer neuen, aber trotzdem traditionsreichen gnostischen Religion. Ihre Anhänger nannten sich Bogomilen, nach ihrem ersten Priester Bogomil. Im Laufe der Geschichte wurden sie aber noch unter vielen anderen Namen bekannt, wobei der am meisten verbreitete Katharer ist.
Ihren Ursprung hatten die Katharer im Babuna-Gebirge, das in Mazedonien liegt. Ihre Lehre verbreitete sich dank ihrer Missionare und Fürsprecher sehr schnell und schon im 11. Jahrhundert gewann sie auch Einfluss in Westeuropa, insbesondere in Deutschland, Flandern, Frankreich und Italien. Den stärksten Einfluss hatten die Katharer in der Lombardei und schon bald wurde ihr Glaube als Bedrohung des Christentums angesehen, was zur Folge hatte, dass sie sowohl von der griechisch-orthodoxen als auch von der römisch-katholischen Kirche verfolgt wurden. Viele der Verfolgten flohen zwischen dem 12. und dem 14. Jahrhundert nach Bosnien, wo sie relativ unbehelligt leben konnten und mit der Zeit wurde der Glaube der Katharer in Bosnien zur vorherrschenden Religion.
Nachdem 1230 die päpstliche Inquisition institutionalisiert worden war und viele Katharer insbesondere von ehemaligen Glaubensbrüdern, die zur katholischen Kirche konvertiert waren, verraten worden waren, wurde die Lehre der Katharer zu einer Geheimwissenschaft. Die Katharer bezeichneten sich selbst zwar als Christen, verschwiegen aber ihre wahre Glaubensrichtung, um sich den Inquisitoren zu entziehen.
Trotzdem blieben viele Schriften der Katharer im Umlauf und bis ins 14. Jahrhundert waren sie weit verbreitet. Eine nicht unbeträchtliche Sammlung von Schriften und Informationen hatte auch die katholische Kirche, insbesondere ihre Inquisitoren, angelegt.
Erst im 15. Jahrhundert, als die Katharer von der Kirche nicht mehr als Bedrohung angesehen wurden, verschwanden auch ihre Schriften. Viele wurden von den Inquisitoren vernichtet, andere nur noch im Geheimen gelesen.
Dualistisches Weltbild2
Das Weltbild der Katharer war streng dualistisch in das Reich des guten Gottes (der liebe Gott) und das Reich des bösen Gottes (Satan) eingeteilt.
Der gute Gott war der wahre, lebendige und rechtmässige Gott, von dem Gerechtigkeit und Wahrheit wie das Licht der Sonne ausgingen. Er verkörperte die Liebe und nur wer die Liebe in sich hatte, konnte mit Gott eins werden. Sein ewiges Reich war im Himmel, es blieb für den Menschen unsichtbar und verkörperte die Ewigkeit. Einzig Jesus, Gottes Sohn, war auf die Erde gekommen, um den Menschen den Weg zu weisen.
Satan aber war der Herrscher über die irdische, diesseitige Welt der Schmerzen, der Krankheit und des Todes. Er war der Gott des Bösen und der Finsternis. Seine Welt war sichtbar und vergänglich und sein Sohn war Luzifer.
Da es für die Katharer unmöglich schien, dass die Reiche des Guten und des Bösen von ein und demselben Schöpfer stammen konnten, musste es also zwei gegensätzliche Schöpfungsprinzipien mit zwei gegensätzlichen Schöpfern geben: Satan ist also ein von Gott unabhängiges Schöpfungsprinzip, steht aber doch nicht auf der gleichen Stufe wie Gott, weil Gott das Gute verkörpert, das auch ohne das Schlechte von Satan existieren kann, nicht aber umgekehrt.
Zwischen Satan und Gott herrscht eine tiefe, unüberwindbare Feindschaft, weil Satan ständig versucht, die gute Schöpfung zu imitieren und ins Böse zu verkehren; nachdem Gott die geistige Welt erschaffen hat, erschafft Satan die materielle und versucht, beide Welten zu vermischen, um die geistige Welt zu verderben.
Das dualistische Bild und die Versuchungen Satans manifestieren sich auch im Menschen: sein Körper, ebenso wie die ganze sichtbare Welt sind vom Teufel erschaffen, er ist auch für alle menschlichen Leiden verantwortlich. Deshalb wurde nicht nur die Sexualität abgelehnt, sondern auch körperliche Strafen, wie sie die weltliche Gerichtsbarkeit verhängte.
Die im menschlichen Körper eingeschlossene Seele eines Engels aber ist das Gegenbild, das bei Gott geblieben ist. Der liebe Gott aber ist ausschliesslich für den Himmel zuständig; er ist vollkommen. Vorausgesetzt, es gelingt dem Menschen, alles Irdische und Unreine abzustreifen und nur noch aus dem reinen Geist der Liebe zu bestehen, dann kann er in das Reich Gottes eingehen.
Die Seele konnte aber nicht nur im Menschen gefangen sein, sondern auch in den Tieren, weshalb es ihnen verboten war, Tiere zu töten.
Der Dominikanerpater Bernard Gui beschrieb 1323/24 in seinen Practica inquisitionis heretice pravitatis das dualistische Weltbild der Katharer wie folgt:
„Die häretische Sekte der Manichäer und die Anhänger dieser Irrlehre behaupten und bezeugen, dass es zwei Götter und zwei Herren gibt, nämlich einen guten Gott und einen bösen. Sie erklären, dass alles Sichtbare und Körperliche nicht von Gott dem Himmlischen Vater, den sie den guten Gott nennen, geschaffen wurde, sondern vom Teufel oder Satan, dem bösen Gott … So postulieren sie also zwei Schöpfer … und zwei Schöpfungen, eine unsichtbare und nicht-körperliche und eine sichtbare und körperliche …“3
Die Erlösung4
Die Erlösung besteht darin, dass die im Körper gefangene, unsterbliche Seele sich befreien kann. Diese Befreiung geschieht aber nicht dadurch, dass der Mensch stirbt und vor Gott als seinem Richter tritt, sondern dadurch, dass der Mensch seine Erlösung selbst erarbeitet. Diesen Weg der Erlösung wurde den Katharern durch die Apostel und Jesus vorgelebt, deren Wissen letztendlich vom Heiligen Geist stammte.
Nur wer getauft war, konnte auch Priester werden. Die Taufe erfolgte durch Handauflegen und sollte der Seele den Kontakt zu Gott ermöglichen, damit sie letztendlich befreit werden konnte.
Nur die Priester wurden zu Lebzeiten getauft, die übrigen Religionsanhänger erst auf dem Sterbebett.
Um die Erlösung der Seele zu erreichen, mussten die Katharer nach strengen Regeln leben. So war ihnen nicht nur die Sexualität verboten, sie mussten auch sonst körperlich enthaltsam leben und strenge Fastenzeiten einhalten. Die Gebote des Evangeliums mussten wortwörtlich befolgt werden, es durfte niemals vorsätzlich gelogen werden und auch nicht in Notwehr getötet werden.
Die Sakramente der römisch-katholischen Kirche wurden abgelehnt, denn für die Katharer war das wichtigste Sakrament das Handauflegen (Consolament), das der Seele den Weg zu Gott öffnen sollte.
1 R. Beiderbeck: Die Religion der Katharer (www.inet-p.de/kathglaub.htm)
2 Ebd.
3 L. Harris: Hieronymus Bosch und die geheime Bildwelt der Katharer, Verlag Urachhaus Stuttgart, 1996, S. 19
4 R. Beiderbeck: Die Religion der Katharer (www.inet-p.de/kathglaub.htm)
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