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Hintergründe


Christentum


Das christliche Weltbild bis ins 16. Jahrhundert

Klicken zur VergrösserungDas Christentum ging davon aus, dass sich die Erde im Zentrum des Universums befinde. Unter der Erde befand sich die Hölle; ihr Herrscher war Satan. Um die Erde drehten sich konzentrische Sphären mit den Planeten. Darüber lag das Firmament, der Wohnsitz der Engel und zu äusserst, jenseits von Raum und Zeit, war der Himmel, das Reich Gottes1.


Missstände in der Kirche

Die Geistlichkeit hatte viel von ihrem Ansehen eingebüsst, viele Bischöfe hielten Hof und führten Fehden wie die weltlichen Fürsten, denn Macht und Lebensgenuss schienen ihnen wichtiger als ihre geistlichen Pflichten. Der fromme Gläubige musste oft mit Abscheu dem anstössigen Lebenswandel sittenloser Kleriker zusehen. Die von der päpstlichen Finanzverwaltung erhobenen Abgaben für die Verleihung von geistlichen Ämtern und die Befreiung von kirchlichen Vorgaben stiegen ins Unermessliche und wurden auf die Gläubigen abgewälzt, indem ihnen gegen grosszügige Schenkungen das Seelenheil versprochen wurde. Daneben waren die Gläubigen geplagt durch Aberglaube, Hexenfurcht und Weltuntergangsängste. Diese versuchten sie mittels inniger Marienverehrung, Versenkung in die Leiden Christi und tätiger Nächstenliebe zu bekämpfen2.
Da und dort wurde auch schon Kritik laut und Erasmus von Rotterdam (1466-1536), der als König der Wissenschaften und Inbegriff des Humanismus3 verehrt wurde, weil er Frömmigkeit, Bildung, biblische Offenbarung und antike Philosophie verbinden wollte, schien vielen der Richtige für durchgreifende Reformen in der Kirche. Obwohl er sich selbst nicht zum Reformator berufen fühlte, wurde er doch ungewollt zu einem Wegbereiter der Reformation, da er in seinen Schriften die kirchlichen Zeremonien, die Heiligenverehrung, den Volksaberglauben, unwissende Priester und faule Mönche verspottete4.
Jedoch erst die 1517 von Martin Luther veröffentlichten 95 Thesen führten zum Bruch mit der Kirche und zur eigentlichen Reformation5.
Obwohl Erasmus von Rotterdam 1485-1487 Schüler der Lateinschule von `s-Hertogenbosch war6, konnten die neuen Ideen hier noch nicht Fuss fassen und die Macht der Kirche blieb allgegenwärtig, gab es doch damals dort ungefähr dreissig Kirchen und Kapellen und zahlreiche Klöster und Bruderschaften. Da Ausstattung und Verschönerung der zahlreichen Gotteshäuser eine wichtige Einkommensquelle der ansässigen Künstler waren7, hielten sie sich auch an die christlichen Vorgaben, was den Inhalt ihrer Werke anbelangte. So ist es nicht verwunderlich, dass die Bilder jener Zeit biblische Geschichten nach dem damals gültigen Weltbild der Kirche wiedergaben.

Auch Hieronymus Bosch lebte von den Aufträgen der Kirche und der reichen Adels- und Handelsfamilien8. Sein nach aussen unbescholtener und den damaligen Gepflogenheiten angepasster Lebenswandel verstärkten diesen Eindruck. Obwohl seine Werke nicht immer genau den kirchlichen Vorstellungen entsprachen, erhielt er immer wieder neue Aufträge. Bleibt die Frage, ob die Menschen damals die Unterschiede nicht sahen oder nicht sehen wollten oder ob die Begeisterung über die Andersartigkeit der unterhaltsamen Details seiner Bilder die Menschen grosszügig über die „Fehler“ hinwegsehen liess9.



1 L. Harris: Hieronymus Bosch und die geheime Bildwelt der Katharer, Verlag Urachhaus Stuttgart, 1996, S. 127
2 E. Kaier: Grundzüge der Geschichte, Band 2, Verlag Moritz Diesterweg, 5. Auflage 1968, S. 184
3 Ebd., S. 185ff
4 Ebd., S. 186
5 Koldeweij, Vandenbroeck, Vermet: Hieronymus Bosch - Das Gesamtwerk, Belser Verlag Stuttgart, S. 35
6 Ebd., S. 35
7 Ebd., S. 27
8 L.Harris: Hieronymus Bosch und die geheime Bildwelt der Katharer, Verlag Urachhaus Stuttgart, 1996, S. 69
9 Ebd., 1996, S. 69