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Hintergründe


Liebfrauen-Bruderschaft


Klicken zur VergrösserungEine der zahlreichen Bruderschaften in `s-Hertogenbosch war die Liebfrauen-Bruderschaft, eine Bruderschaft, die bis heute tätig ist 1.
Deren Mitglieder hatten sich der Verehrung der Jungfrau Maria und der Unterstützung der Armen und Kranken verschrieben.
Durch Opfergaben sollte den Mitgliedern sowohl im Leben als auch im Tod der Schutz der Gottesmutter sicher sein. Eingeschriebene Mitglieder erhielten jährlich eine Kerze für Maria Lichtmess und sie konnten von den Ablässen (siehe Bild links) profitieren, welche die Bruderschaft zu erwerben wusste 2.
Nebst einer grossen Zahl auswärtiger Mitglieder (um 1500 zählte man deren 14000) besass die Bruderschaft einen Kern von eingeschworenen Mitgliedern sowie Schwanenbrüdern. Die eingeschworenen Mitglieder waren Kleriker, worunter im weitesten Sinne Geistliche zu verstehen sind oder Mitglieder, die mindestens die niederen Weihen empfangen hatten. Die Schwanenbrüder hatten den gleichen Status wie die eingeschworenen Mitglieder, waren aber Laien und gehörten wohl der städtischen Oberschicht an 3.
Hieronymus Bosch wurde am Neujahrstag 1488 eingeschworener Bruder und führte von diesem Zeitpunkt an verschiedene Arbeiten für seine Bruderschaft durch4.
Die Kernmitglieder der Bruderschaft genossen pro Jahr acht bis zehn gemeinschaftliche Essen, von denen eines 1488 und ein weiteres 1510 im Hause Boschs stattfanden 5.
Dass er überhaupt in diese elitäre Gemeinschaft aufgenommen wurde, verdankte er sowohl seinen eigenen Verdiensten als Maler wie auch dem Status der Familie seiner Frau6. Die Mitgliedschaft in dieser Bruderschaft war sehr erstrebenswert, denn sie verbesserte nicht nur seinen Ruf als kirchentreuer Christ, sondern sicherte ihm auch Aufträge und Bekanntheit über die Stadtgrenzen hinaus.
Inwiefern Hieronymus Bosch auch ideologisch hinter der Liebfrauen-Bruderschaft stand, ist nicht bekannt. Die Sprache seiner Bilder lässt jedoch Zweifel aufkommen und gab und gibt immer wieder Anlass zu Kontroversen. So sehen die einen in dieser Mitgliedschaft, aus der auch viele Aufträge flossen, die Bestätigung dafür, dass Boschs Werke dem intellektuellen und theologischen Gehalt jener Zeit entsprachen, die anderen dagegen sehen in dieser Mitgliedschaft nur das Mittel zum Zweck eines Menschen, der sich äusserlich kirchentreu und bürgerlich gibt, innerlich aber ein Verfechter des Dualismus der katharischen Lehre ist:

„Wie bereits zu sehen war, beinhaltet Boschs Anbetung der Könige im Prado viel halbverborgene Elemente der Kritik an der römisch-katholischen Kirche und ihrer Priesterschaft. Eines dieser Elemente ist die Darstellung der Jungfrau und des Jesuskindes, die wie Statuen oder Andachtsfiguren erscheinen und von bösen und von der Sünde in die Irre geführten Mitgliedern der Kirchenhierarchie umgeben sind. Diese Darstellungsweise der Geburt Christi, in der Boschs wirkliche Gesinnung zum Ausdruck kommt, wäre schon bei einem gewöhnlichen Christen erstaunlich, aber noch sonderbarer mutet sie an, wenn ihr Urheber Mitglied einer Bruderschaft ist, die sich der Huldigung der Jungfrau Maria widmet.“7



1 www.liebfrauenbruderschaft.ch.vu
2 Koldeweij, Vandenbroeck, Vermet: Hieronymus Bosch - Das Gesamtwerk, Belser Verlag Stuttgart, S. 56
3 Ebd., S. 56
4 Ebd., S. 56
5 Ebd., S. 57
6 Ebd., S. 58
7 L. Harris: Hieronymus Bosch und die geheime Bildwelt der Katharer, Verlag Urachhaus Stuttgart, 1996, S. 71