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Biographie


Lebenslauf


„Sicherlich, Hieronymus Bosch gilt als der bekannteste Unbekannte der Kunstgeschichte. Man weiss über ihn nicht viel mehr als was in rund 30 schriftlichen Dokumenten enthalten ist [...]. Viel weiss man nicht von der historischen Person des Künstlerfürsten, doch reichte das immer schon für vage Mutmassungen, die in ihm einen Alchimisten und/oder Atheisten vermuteten. Andere wiederum meinten, er sei, der durchgehend religiösen Symbolgehalte seiner Malereien wegen, fest in der Glaubenslehre der römisch-katholischen Kirche verankert gewesen und hätte gegen Sittenzerfall, Quacksalberei und schwarze Magie angemalt.“1

Klicken zur VergrösserungJheronimus Anthonissen van Aken, der sich ab 1500 des Toponyms Hieronymus Bosch2 bediente, wurde um 1450 in `s-Hertogenbosch, einer in der niederländischen Provinz Brabant liegenden Handelsstadt im Rhein-Maas-Delta geboren. `s-Hertogenbosch zählte damals zirka 11000 Einwohner und war gross genug, um Künstlern eine Existenzgrundlage zu bieten3.
Holland stand damals unter der Herrschaft von Karl dem Kühnen, dem letzten Herzog von Burgund4. Friedrich III. (1440-1493), Kaiser des Deutschen Reiches, verfolgte in jahrelangen Verhandlungen das Ziel, seinen Sohn Maximilian mit Maria von Burgund, der einzigen Tochter des Herzogs von Burgund, zu vermählen. Dies gelang ihm 1477, nachdem Karl der Kühne im Kampf gegen Schweizer Bauern und lothringische Ritter getötet worden war. Damit fiel `s-Hertogenbosch zusammen mit Flandern und Holland dem Deutschen Reich zu.
Die Familie van Aken ist seit 1426 in `s-Hertogenbosch nachgewiesen und sowohl der Grossvater Jan van Aken als auch der Vater Antonius van Aken waren Maler5. Aus Steuerurkunden geht hervor, dass die Familie van Aken ausserordentlich wohlhabend gewesen sein muss6.
1474 wird der Name Hieronymus erstmals in notariellen Dokumenten zusammen mit seinem Vater, seinen zwei Brüdern und seiner Schwester erwähnt7.
Haus und Malerwerkstadt der Familie van Aken lagen an der Ostseite des Marktplatzes. Dort arbeitete und wohnte zusammen mit dem Vater und den zwei Brüdern auch Hieronymus Bosch. Das Haus und die Werkstatt wurden 1463 durch den grossen Stadtbrand beschädigt, aber wieder aufgebaut8.
Nach seiner Vermählung 1478 mit Aleid van de Meervenne, die aus einer begüterten Kaufmannsfamilie stammte, bezog Bosch 1481 das Haus „Inden Salvatoer“ an der vornehmen Nordseite des Marktplatzes9. Da es keinen Hinweis auf Kinder gibt, ist anzunehmen, dass die Ehe kinderlos blieb10.
Um 1480 wird Bosch erstmals als Maler erwähnt anlässlich der Fertigstellung zweier Altarflügel (unvollendete Arbeiten seines Vaters) aus dem Besitz der Liebfrauen-Bruderschaft11.
Um 1486 wird Bosch Mitglied der Liebfrauen-Bruderschaft, die der St. Jans Kirche von `s-Hertogenbosch zugehörte und religiöse Ziele mit wohltätigen verband12. Zwischen 1488 und 1492 malte er in deren Auftrag die Flügel ihres Hauptaltars. 1493/94 folgten weitere Aufträge für die Glasfenster und ein Kreuz in ihrer Kapelle13.
Um 1500 reiste Hieronymus Bosch vermutlich nach Italien und blieb ein bis zwei Jahre in Venedig und Venetien14. Hinweise darauf geben die Werke Giorgiones, eines bedeutenden venezianischen Künstlers jener Zeit, die eine enge Verbindung zum Schaffen von Bosch aufweisen.
Leonardo da Vinci Da sich auch um 1500 in Venedig aufhielt, kann davon ausgegangen werden, dass sich die drei Künstler trafen15 und auch inspirierten. Auch um 1500 veränderte sich das Weltbild von Hieronymus Bosch und seinen Zeitgenossen grundlegend, bestätigten doch die Entdeckungsreisen der Seefahrer, wie die Welt wirklich war16.
Klicken zur VergrösserungWährend die Einflüsse der Renaissance und der Zentralperspektive nur wenig Beachtung fanden in den Werken von Hieronymus Bosch17, sehen wir in seinen späteren Werken Der Heuwagen, Der Garten der Lüste und Das Jüngste Gericht einen fundamentalen Bruch mit der konventionellen Ikonographie des 15. Jahrhunderts18.
Schon zu Boschs Lebzeiten gibt es Indizien, welche die Wertschätzung seiner Werke veranschaulichen19 und seine Bekanntheit weit über die Stadtgrenzen von `s-Hertogenbosch hinaus belegen. So erhielt er nicht nur Aufträge von der Kirche, der Liebfrauen-Bruderschaft und wohlhabenden Patriziern20, sondern auch von Philipp dem Schönen, Herzog von Burgund, für den er 1504 ein grosses Altarbild malte21, von Margarete von Oesterreich und Hendrik von Nassau22. Bis zu seinem Tod 1516 lebte und malte er in seiner Familienwerkstatt in `s-Hertogenbosch.
Ungefähr um 1742 wurde Bosch in einem Wappenbuch der Liebfrauen-Bruderschaft erwähnt. Unter seinem leeren Wappenschild (als Handwerker-Künstler führte er kein Wappen) steht:

„Hieronimus Aquensalias Bosch, seer vermaerd schilder, obiit 1516 (sehr berühmter Maler, verstorben 1516).“23





1 Torquato Tasso über John Vermeulens „Der Garten der Lüste – Roman über Leben und Werk des Hieronymus
   Bosch“ in Sandammeer – Die virtuelle Literaturzeitschrift (www.sandammeer.at), 1. Sept. 2002
2 Koldeweij, Vandenbroeck, Vermet: Hieronymus Bosch - Das Gesamtwerk, Belser Verlag Stuttgart, S. 23
3 Ebd., S. 27
4 E. Kaier: Grundzüge der Geschichte, Band 2, Verlag Moritz Diesterweg, 5. Auflage 1968, S. 138
5 Koldeweij, Vandenbroeck, Vermet: Hieronymus Bosch - Das Gesamtwerk , Belser Verlag Stuttgart, S. 53
6 Torquato Tasso über John Vermeulens „Der Garten der Lüste – Roman über Leben und Werk des Hieronymus
   Bosch“ in Sandammeer – Die virtuelle Literaturzeitschrift (www.sandammeer.at), 1. Sept. 2002
7 Koldeweij, Vandenbroeck, Vermet: Hieronymus Bosch - Das Gesamtwerk , Belser Verlag Stuttgart, S. 54
8 Ebd., S. 53
9 H. Belting: Hieronymus Bosch - Garten der Lüste, Prestel Verlag München, 2002, S. 22
10 L. Harris: Hieronymus Bosch und die geheime Bildwelt der Katharer, Verlag Urachhaus Stuttgart, 1996, S. 33
11 www.arianamania.de/maler/b/bosch/bosch.php
12 Koldeweij, Vandenbroeck, Vermet: Hieronymus Bosch - Das Gesamtwerk, Belser Verlag Stuttgart, S. 56
13 www.arianamania.de/maler/b/bosch/bosch.php
14 L. Harris: Hieronymus Bosch und die geheime Bildwelt der Katharer, Verlag Urachhaus Stuttgart, 1996, S. 61
15 Ebd., 1996, S. 64
16 Koldeweij, Vandenbroeck, Vermet: Hieronymus Bosch - Das Gesamtwerk , Belser Verlag Stuttgart, S. 61
17 E. Kaier: Grundzüge der Geschichte, Band 2, Verlag Moritz Diesterweg, 5. Auflage 1968, S. 169
18 Koldeweij, Vandenbroeck, Vermet: Hieronymus Bosch - Das Gesamtwerk , Belser Verlag Stuttgart, S. 64
19 Ebd., S. 59
20 Ebd., S. 29
21 Ebd., S. 21
22 Ebd., S. 59
23 Ebd., S. 21